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2–3 Minuten

„If I could just be more human,
I would see every little thing with a gleam in my eye.
If only I was more human,
I’d embrace every single feeling that came in my life.“ – Scott Matthews

Ich habe lange geglaubt, ich wäre weniger menschlich. So, als würde ich zwar alles sehen und verstehen, aber nicht richtig teilnehmen. Wie ein Beobachter hinter Glas. Songs wie „Be Human“ treffen mich genau deshalb so hart, weil sie klingen, als würde jemand meine Innenwelt beschreiben. Als würde ein Androide sprechen, der alles kennt, aber sich selbst nicht richtig spürt. Und ich erkenne mich darin wieder.

ADHS fühlt sich für mich nicht nach zu wenig Denken an, sondern nach zu wenig Halt. Gedanken sind da, Gefühle sind da, Ideen auch. Aber sie bleiben nicht. Das Signal ist schwach, das Rauschen laut. Motivation verdampft, bevor sie wirksam wird. Freude kommt an, aber zu kurz. Frustration bleibt zu lange. Ohne Medikamente würde dieses permanente Leerlaufen irgendwann in Depression enden. Nicht, weil mir etwas fehlt, sondern weil mein Gehirn das Wichtige zu schnell wieder einsammelt.

Ich habe mir oft gewünscht, menschlicher zu sein. Normaler. Stimmiger. So wie andere, bei denen Dinge scheinbar einfach greifen. Heute glaube ich, dass dieser Wunsch selbst schon der Beweis ist, dass ich es bin. Menschlich. Vielleicht sogar besonders. Denn ich fühle nicht weniger, sondern ungefilterter. Nicht flacher, sondern unzuverlässiger. Das macht müde. Und einsam. Und manchmal fühlt es sich tatsächlich an wie Marvin, der depressive Roboter. Hochintelligent, alles durchschauend, aber innerlich unterversorgt.

Der Unterschied ist nur: Ich leide daran. Und dieses Leiden ist kein technischer Fehler, sondern ein zutiefst menschlicher Zustand. Maschinen würden optimieren oder abschalten. Ich wünsche mir Nähe, Sinn und Verbindung, selbst wenn mein inneres Verstärkungssystem streikt. Medikamente machen mich nicht künstlich. Sie machen das Signal lauter, damit mein echtes Erleben überhaupt eine Chance hat.

Vielleicht geht es gar nicht darum, menschlicher zu werden. Vielleicht geht es darum, anzuerkennen, dass Menschlichkeit nicht sauber, nicht stabil und nicht fair verteilt ist. Dass manche Gehirne andere Parameter brauchen. Dass Sehnsucht nach Menschsein kein Mangel ist, sondern Ausdruck davon.

Ich bin kein Androide. Ich bin ein Mensch mit schlechtem Signal und viel Rauschen.

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